Gebet (vom Beten)

In deiner Angst und Not bittest du, wenn du betest, um irgendwelche Gaben. Du bist beispielsweise krank und betest um Gesundheit, du bist arm und betest um Geld, du bist einsam und betest um Freunde, du bist hungrig und betest um Brot, usw. Doch was du nicht bemerkst, ist, dass du selbst die Krankheit, die […]

Michael Ostarek

In deiner Angst und Not bittest du, wenn du betest, um irgendwelche Gaben. Du bist beispielsweise krank und betest um Gesundheit, du bist arm und betest um Geld, du bist einsam und betest um Freunde, du bist hungrig und betest um Brot, usw.

Doch was du nicht bemerkst, ist, dass du selbst die Krankheit, die Armut, die Einsamkeit und den Hunger, zu höchst eigenartigen, unverständlichen und unglaubwürdigen Wünschen gemacht hast. Ja, und deshalb nimmst du sie wahr.

Du willst sie nicht erleben, klar. Doch musst du sie erleben, solange du sie denkst, glaubst und befürchtest und sie ihr Unwesen in deinem Geist treiben.

In diesem völlig verrückten Zustand glaubst du nämlich auch noch, dass GOTT – zu dem du betest in deiner Not – dir das nicht gibt, worum du gerade betest. Warum glaubst du das? Nun, hier ist die Spirale der Angst, der Fehlerkreislauf, das Rad des Karma am Werk: du kannst nicht zwei völlig verschiedenen Glaubenssystemen gleichzeitig dienen.

Das, was du denkst und vertrittst, ist das, was zu deiner Erfahrung wird. Deine Wahrnehmung zeigt dir exakt, wessen Geistes Kind du bist. Sie ist nur der Spiegel dessen, was du zu sein glaubst. Glaubst du also, GOTT könne dir irgendetwas vorenthalten, dich strafen, prüfen, dir etwas nicht gönnen, so spiegelt dein Geist genau das als deine Welt wider; für dich.

Nun betest du also zu genau diesem grausamen GOTT, der dir vielleicht helfen mag, vielleicht auch nicht, je nachdem, in welcher Urteilslaune er gerade ist.

Lass uns nun den Begriff Gebet anders betonen, als üblich. Lege die Betonung auf die erste Silbe. Was ist nun geschehen? G bist du, der alle Not, Armut und Einsamkeit GOTT geben soll, kann und darf. Und in diesem Geben deinerseits lässt du los, was du bis dahin unbemerkt festgehalten hattest. Du erlebst die völlige Güte eines GOTTES, DER dir VATER ist und FREUND. Du gibst IHM Flüche und Bedrohungen, Gewalt, Katastrophen, Trennungen und den Tod; du wirfst alle Sorgen auf IHN – und ER gibt SICH dir.

Du bittest also GOTT nicht um Gesundheit, Geld, Freunde oder Brot, sondern du gibst ihm die Krankheit, die Not, die Einsamkeit und den Hunger. In diesem Gebet hörst du, wie GOTT alle darum bittet: „Gebt MIR doch eure Sorgen, damit ICH sie von euch nehmen kann. Befreit euch, MEINE lieben Kinder von allem, wodurch ihr selbst euch – unwissend was ihr tut, in Not bringt.“

Ja, liebe Brüder, das gibt es für uns zu tun. So wird dein Beten nicht zu einem Betteln, einem Flehen zu einem tauben und grausamen GOTT, sondern es wird zu einem frohen Akt der Befreiung von widersprüchlichen Wünschen, die deinem Geist all das träumen ließen, was für dich in der Erfahrung nicht ein harmloser, bedeutungsloser Traum, sondern brutales, reales Leben – zum – Sterben wurde.
Du magst jetzt vielleicht ein wenig bange fragen: „Darf ich dann GOTT nicht um etwas bitten?“ Die Antwort ist, wenn du dich ein wenig mit dem Gebet der Befreiung vertraut gemacht hast, wird dein Beten um irgendwelche Dinge, die du brauchst, leichter werden und du wirst – wie wir alle – die Erfahrung machen, dass das in Wahrheit gar nicht nötig ist. GOTT gibt. GOTT gibt immer allen Alles.
Doch das kann durch diese schreckliche Angst, – die Wahrheit in deinem Geist, mein Bruder, ganz blockiert –, verborgen sein und deshalb auch nicht erlebt werden.

Was brauchen wir dafür noch? Die Bereitwilligkeit, das zu üben: Also unser Denken über das Gebet zu verändern und die Geduld des Lernenden, so wie seine Freude, dass es genau andersherum läuft, als wir befürchteten.

GOTT will nur, dass wir immer in SEINER LIEBE glücklich leben.

Lasst uns also geben, was dies verleugnet. Lasst uns ver-geben, was in Wahrheit nie SEIN Wille und deshalb auch nicht unserer war.
Frohes Beten…

Michael Ostarek